Zeche Vondern
von Fritz Pamp

Auf der Zeche Oberhausen 1/2 nahm die Gewinnungsteufe, das ist die Tiefe, in der die Bergleute die Kohle hereingewinnen, zwischen 1859 und 1898 von 180 m auf mehr als 500 m zu. Gleichzeitig entfernten sich die Abbaubetriebe immer weiter von den beiden, eng beieinanderliegenden Schächten und verteilten sich darüber hinaus noch auf mehrere Sohlen und Flöze. Dieser Betriebszuschnitt brachte große Probleme in der Wetterführung (Anm.: Wetterführung = Verteilung der Luft) mit sich, weil er die Trennung der Frischluft von der verbrauchten Luft in den söhligen (Anm.: söhlig = waagerecht verlaufend) Grubenbauen nach dem damaligen Stand der Technik sehr erschwerte. Aus diesem Grunde traten besonders in den stark ausgasenden Flözen der Fettkohlenpartien trotz drei leistungsfähiger Grubenlüfter, die zusammen 18 000 m³/min verbrauchte Luft absaugten, immer wieder gefährliche Ansammlungen explosibler Grubengas-Luftgemische (sogenannte Schlagwetter) auf. Am 14. April 1897 genügte ein kleiner Funke, um eine Explosion auszulösen, durch die 10 Bergleute ihr Leben einbüßten. Bei der Untersuchung des Unglücks kamen die Fachleute der Bergbehörde und der GHH zu der Erkenntnis, daß ein Frischluftschacht am Rande des Grubenfeldes die Schwierigkeiten zumindest verringern, wenn nicht sogar ganz beseitigen könnte.

Daraufhin lief die Planung für den dritten Schacht der Zeche Oberhausen unverzüglich an. Als günstigsten Standort legte der Markscheider (Anm.: Markscheider = vereidigter Vermessungsingenieur einer Zeche) ein der Firma gehörendes Grundstück in unmittelbarer Nähe der Burg Vondern in Osterfeld, 2,5 km nordöstlich der Zeche, fest.

1904 reichte die Schachtkapazität nicht mehr aus, um die anfallenden Kohlenmengen zu heben. Das in den Malakoffturm über dem Schacht Oberhausen 2 eingezogene Strebengerüst erlaubte eine Erhöhung der Nutzlast bei der Schachtförderung
Das Betriebsgelände der Zeche Vondern auf einem alten Stadtplan dargestellt.
Die Schachthauer stellen einen Sohlenanschluß her. Das bei den Schachtarbeiten anfallende Gestein wird in Kübeln mit einem Fassungsvermögen von rund 1,5 m³ zutage gefördert.

Oberhausen 3 sollte mit dem bewährten Senkschachtverfahren mit 5 m Durchmesser niedergebracht werden.

Die Teufarbeiten begannen 1898, zeitgleich mit dem Teufen des Schachtes Osterfeld 2. Sie verliefen recht zügig und ohne nennenswerte Komplikationen. Im Jahre 1900 erreichte der Schacht Oberhausen 3 zunächst bei 166 m das Steinkohlen­gebirge und am Jahresende befand sich die Schachtsohle bereits 310 m unter der Tagesoberfläche. 1902 stellte die Mannschaft in einer Tiefe von 500 m, das entspricht 461 m unter Normalnull, die geplante Verbindung zu einem Querschlag auf der 6. (-464 m) Sohle der Zeche Oberhausen her. Damit erfüllte Oberhausen 3 seinen Zweck und versorgte das nördliche Baufeld mit frischen Wettern. Anschließend lieferte und montierte das Werk Sterkrade der GHH anstelle der Teufausrüstung eine Förderanlage. Die dampfgetriebene Trommelfördermaschine hatte 7,5 m Trommeldurchmesser und konnte die geplanten (siehe den nächsten Absatz) 3 Fördersohlen mit zwei Körben bedienen. Als Seilgeschwindigkeiten erlaubte die Bergbehörde bei der Güterförderung 12 m/s und bei der Seilfahrt 8 m/s.

Zur Zeit der Förderaufnahme 1904 hatte die Zeche Vondern nur einen Schacht. Die Anlagen über Tage waren schon für die Anforderungen einer Großschachtanlage ausgelegt.
Eine Trommelfördermaschine wickelt auf der einen Trommelhälfte das Förderseil, an dem der zutage kommende Korb hängt, auf und gleichzeitig von der anderen Hälfte das Seil mit dem abwärtsgehenden Korb ab.
Bei der Koepe-Förderung läuft das endlose Seil mit den beiden Förderkörben über eine Treibscheibe. Seil und Treibscheibe sind nur durch die Seilreibung miteinander verbunden. Das Unterseil zwischen den beiden Förderkörben dient als Gewichtsausgleich.

Da der Grubenbau bis zu seiner Endteufe viele bauwürdige Flöze durchfahren und dadurch unerwartet große Kohlenvorräte erschlossen hatte, entschieden die Verantwortlichen bei der GHH, den Schacht in Vondern 1 umzubenennen und den Betrieb zügig zu einer selbständigen Doppelschachtanlage auszubauen. Deshalb begannen die Schachthauer im Jahre 1903, Vondern 2 als zukünftigen Förderschacht mit einem Durchmesser von 6 m ebenfalls als Senkschacht zu teufen.

Eine andere Mannschaft setzte im Schacht Vondern 1 die 1. (220 m-) Sohle, die 2. (310 m-) und die 3. (411 m-) Sohle aus. Nun konnten die ersten Vorrichtungsstrecken aufgefahren und die Abbaubetriebe eingerichtet werden. Zwischenzeitlich bauten GHH-Monteure eine zweite Förderanlage, die sogenannte Nebenförderung, ein, die von einer Dampfmaschine mit Koepescheibe (Durch­messer = 2,42 m) angetrieben und zur 2. Sohle eingebunden wurde. Die Seilgeschwindigkeiten erreichten bei der Güterförderung 10 m/s und bei der Seilfahrt 6 m/s. Einkorbbetrieb war auch zur 1. Sohle zugelassen.

Der Schichtenschnitt zeigt die große Anzahl Kohlenflöze, die der Schacht Vondern 1 erschlossen hat.
Dieser Lageplan der Zeche Vondern stammt aus dem Jahre 1910.
Vortrieb einer Abbaustrecke. Der Hauer links setzt einen Stempel, sein Kumpel reinigt die Sohle für den gegenüberstehenden Stempel. Die Strecke wird im Deutschen Türstock ausgebaut.

Im zweiten Quartal 1903 förderte die Zeche Vondern mit 180 Bergleuten die ersten Kohlen. Bis zum Jahresende kamen 57 000 t zutage. Für den Abtransport der Produkte und für die Anlieferung der benötigten Materialien erhielt die neue Zeche 1904 einen Anschluß an das Werksbahnnetz der GHH und damit mittelbar auch an die Staatsbahn.

Zum Jahresende 1904 erreichte Vondern 2 problemlos die 3. (411 m-) Sohle und ging im folgenden Jahr (1905) als einziehender Hauptförderschacht in Betrieb. Eine Dampfmaschine mit 6,4 m Trommeldurchmesser diente als Hauptfördermaschine. Sie war für Seilgeschwindigkeiten von 16 m/s bei der Güterförderung und 10 m/s bei der Seilfahrt ausgelegt. Für die Nebenförderung lieferte die GHH die gleiche Anlage wie am Schacht 1.

Die Zeche Vondern an der kanalisierten Emscher um 1920 von Osten aus gesehen.
Fuhrunternehmer lieferten in solchen zweirädrigen Kippkarren die Deputatkohlen an die Bergleute.
Wie an vielen anderen Schachtanlagen hatte sich auch in unmittelbarer Nähe der Zeche Vondern ein Gastwirt angesiedelt. In seiner Gaststube konnten die Bergleute ohne lange Wartezeiten nach der Schicht ihre Kehle vom Kohlenstaub befreien.

Die Zeche brauchte natürlich auch einen Abwetterschacht. Diese Funktion sollte der Schacht Vondern 1 übernehmen. Deshalb installierten Monteure hier zwei von Dampfmaschinen angetriebene Grubenlüfter, die in der Lage waren, 5 000 m³/min bzw. 8 000 m³/min verbrauchte Luft aus der Grube abzusaugen. Eine Maschine von ihnen stand in Reserve.

Vondern betrieb keine eigene Wasserhaltung. Das anfallende Wasser floß nach Oberhausen und wurde dort von der 7. (-564 m) Sohle getrennt vom Oberhausener Wasser gehoben. Den Grund für diese Maßnahme schilderte der Redakteur des General-Anzeigers dreißig Jahre später, am 4. April 1935, in seinem Bericht über die Eröffnung des Schaubetriebes auf der (1931 stillgelegten) Zeche Oberhausen recht anschaulich.

Dammtüren siehst du da unten, Transportbänder und Schüttelrutschen - und flinke Gruben­bächlein von Unterquellwasser, die von Jacobi, Vondern und Roland herkommen und von hier unten ans Tageslicht gepumpt werden, um oberirdisch jauchzend in die Emscher zu fließen.

Zwei getrennte Sümpfe (Anm.: Sumpf = Sammelstrecke für Grubenwasser) hat man für sie angelegt, weil die Brüder sich nicht recht vertragen und bei ihrem Zusammentreffen Schwerspat von sich geben, das die Pumpen vermasselt.

Die GHH baute, ähnlich wie bei der Schachtanlage Osterfeld, in der Nähe der neuen Zeche zwischen Bruchstraße (heute Arminstraße) und Rangierbahnhof eine Kolonie mit 416 Wohnungen in 126 Häusern und bot so vielen Belegschaftsmitgliedern eine preiswerte Wohnung.

Bei der Planung der Kolonie Vondern orientierte sich der Architekt erstmalig in einer GHH-Arbeitersiedlung an den Gestaltungsmerkmalen der Gartenstadt nach englischem Muster: geschwungene, mit Bäumen gesäumte Straßen und unregelmäßig versetzte Häuser.
Der Entwurf für den Kindergarten in der Kolonie stammt von dem international anerkannten Architekten Bruno Möhring. Das Haus wurde 1912 seiner Bestimmung übergeben. Heute nutzen es die Bewohner als Bürgerhaus.
In der Verkaufsanstalt IV des Hüttenkonsums konnten die Belegschaftsmitglieder der GHH zu günstigen Preisen, allerdings nur gegen Barzahlung, Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs einkaufen. Ein im Zweiten Weltkrieg zerstörter Anbau beherbergte das Beamtenkasino für die Angestellten der Zechen Vondern und Jacobi.

Im Jahre 1905 beschäftigte die Zeche Vondern 1 306 Mitarbeiter, davon 1 098 unter Tage. Die Förderung stieg auf 275 000 t/a. Wegen der kurzen Wege reichten 29 Pferde aus, um die beladenen Wagen zum Füllort und die "Leeren" zu den Ladestellen zu transportieren.

Die Vondern-Kohle eignete sich gut zur Verkokung. Deshalb beschloß das Unternehmen, auf seiner jüngsten Schachtanlage auch eine Kokerei zu bauen. 1906 wurde der Betrieb mit 60 Öfen und Nebengewinnungsanlagen für die Produktion von Ammoniaksalz und Teer seiner Bestimmung übergeben. Das anfallende Koksgas verwertete die Zeche in einem kleinen Kraftwerk auf eine für heutige Begriffe ungewöhnliche Art und Weise: zwei "doppeltwirkende Viertakt-Koksofengasmotoren mit 94 Uml./Min." trieben zwei 1 MW-Drehstromgeneratoren an, welche die elektrische Energie in das Ringnetz der GHH einspeisten.

Schon 1909 verdoppelte sich die Kapazität der Kokerei durch den Neubau von 60 Öfen auf 600 t/d.

Im Kraftwerk (links im Bild) arbeiteten 1910 zwei 1 MW-Drehstromgeneratoren. Die Kokerei erzeugte in 120 Öfen täglich 600 t Koks.
Anfang des 20. Jahrhunderts fiel bei der Koksherstellung noch viel Handarbeit an. Hier schaufeln die Arbeiter den gelöschten Koks in Karren, schieben diese zu einer Rampe und entleeren sie in Eisenbahnwaggons.
Im Kraftwerk trieben schwere Koksgas-Motoren die Generatoren an.

Mitte des Jahres (1909) brach unter Tage ein Brand aus, den die Grubenwehr nicht löschen konnte, sondern nur durch großräumige Abdämmung unter Kontrolle bekam. Menschenleben oder Verletzte forderte das Unglück nicht. Um die Förderausfälle so gering wie möglich zu halten, leitete man zur Brandbekämpfung Stickstoff in das abgedämmte Feld. Dieser frühe Inertisierungsversuch scheiterte, weil es der damalige Stand der Technik nicht erlaubte, eine der Größe des Brandfeldes entsprechende Gasmenge zur Verfügung zu stellen. 1975 gelang es auf dem Bergwerk Osterfeld erstmalig im deutschen Steinkohlenbergbau, einen Grubenbrand mit Stickstoff zu löschen.

Im Jahre 1910 begannen die Gesteinshauer auf der 2. Sohle und auf der 3. Sohle mit der Streckenauffahrung zur 3 000 m nördlich geplanten Zeche Jacobi. Nur auf diese Weise ließ sich die Zielvorgabe der Unternehmensleitung erreichen, kurz nach Fertigstellung der Jacobi-Schächte, deren Teufe 1912 beginnen sollte, die Kohlenförderung aufzunehmen.

Im Schacht Vondern 2 setzten die Schachthauer 1910 die Arbeiten fort und erreichten zum Jahresende die 4. (508 m-) Sohle.

Die auf 2 267 Mann angewachsene Belegschaft förderte 570 000 Tonnen Kohle mit der beachtlichen Leistung von 1 t/MS (Anm.: t/MS = Tonnen je Mann und Schicht).

Die Zeche Vondern 1915 von Nordwesten gesehen:(von links nach rechts) ein Eckturm der Burg Vondern, hinter den Bäumen das Pförtnerhaus, der Schacht 2, der Schacht 1, der Wasserturm und der Gasbehälter.
Um 1920, als der Fotograf dieses Bild von der Breilstraße aus mit Blick nach Westen aufnahm, brauchte die Zeche in den Strecken und den Abbaubetrieben für den Ausbau noch sehr viel Holz. Deshalb war der Holzlagerplatz immer gut gefüllt.Links ist das Schachtgerüst über dem Schacht 2 zu sehen, der Schacht 1 versteckt sich hinter einer Dampfwolke.
Das Bild entstand ebenfalls um 1920. Dieses Mal stand der Fotograf am südlichen Ufer des Rhein-Herne-Kanals und blickte nach Norden. Über die Brücke führt die Einbleckstraße. Das Schachtgerüst rechts steht über dem Schacht Vondern 2. Das Gebäude der Separation links verdeckt den Schacht 1.

Je länger die Förderwege in der Grube wurden, desto deutlicher zeigten sich die Grenzen der Pferdeförderung. Deshalb begann die Zeche Vondern 1912, die Hauptstreckenförderung zu modernisieren. Der Geschäftsbericht der GHH hielt fest:

An die Stelle der bisherigen Pferdeförderung ist auf der 3. und 4. Sohle eine solche mittels Druckluftlokomotiven getreten. Es sind vorläufig 5 Druckluftlokomotiven in Betrieb, die von einer Hochdruckkompressoranlage (Anm.: Die Kolbenkompressoren verdichteten die Luft auf 220 bar) über Tage gespeist werden.

Die in der Förderung eingesetzten Pferde blieben ihr gesamtes Arbeitsleben untertage. Für die Einrichtung der Stallungen und für die Pferdeförderung gab es detaillierte Vorschriften der Bergbehörde. So mußte der Pferdeführer mit brennender Grubenlampe vor oder neben seinem Pferd gehen. Unter bestimmten Voraussetzungen konnte der Betriebsführer den Pferdeführern erlauben, im ersten Wagen eines Leerzuges mitzufahren.
Druckluftlokomotiven führten die Antriebsenergie ? auf 220 bar verdichtete Luft ? in Hochdruckbehältern mit. In den Strecken gab es in bestimmten Abständen Tankstellen, an denen die Lokführer ihre Maschine wieder befüllen konnten.
Der mit Reparaturarbeiten in der Förderstrecke beauftragte Hauer dubbelt mit der Kaffeepulle in der Hand auf seiner Gezähekiste, er sitzt also auf seiner Werkzeugkiste, ißt sein Pausenbrot und trinkt dabei aus seiner Blechflasche Kaffee.

Die Streckenvortriebe in Richtung Jacobi verliefen planmäßig. Im Dezember 1912 erreichte die Mannschaft auf der 2. (-272 m) Sohle Vondern das Füllort der 1. (-262 m) Sohle am Schacht Jacobi 2, und im Juli 1913 erfolgt die zweite Verbindung auf der 2. (-365 m) Sohle Jacobi mit der 3. (-373) Sohle Vondern. Und weil die Bergleute der Zeche Vondern auch den ersten Abbaubetrieb fertig eingerichtet hatten, stand der Förderaufnahme auf der nördlichen Nachbarzeche nichts im Wege.

Die Zeche Jacobi erhielt wegen ihrer beeindruckenden Architektur später den Beinamen Versailles des Ruhrgebiets. Leider fielen nach der Stillegung 1974 alle Gebäude der Spitzhacke zum Opfer. Der Kommunalverband Ruhrgebiet ließ auf dem Gelände einen Volksgolfplatz bauen.
Der Fotograf fand um 1925 ein interessantes Motiv: die mittelalterliche Wasserburg Vondern vor einer modernen Industriekulisse mit der Zeche Vondern.
Im Füllort am Hauptschacht. Hier findet nicht nur, wie auf dem Bild zu sehen, zum Schichtwechsel Seilfahrt statt, sondern normalerweise schiebt der Anschläger hier die Kohlenwagen auf den Korb und damit die Leerwagen hinunter.
Auf der Hängebank über Tage drückt der Anschläger zur gleichen Zeit mit den Leerwagen die Kohlenwagen vom Gegenkorb.
Die Aufbereitung, auch Wäsche genannt, erzeugt das verkaufsfähige Produkt. Hier trennen Setzmaschinen die Kohle von den Steinen (Bergen). Anschließend wird die Kohle abgesiebt und so in verschiedenen Korngrößen aufgeteilt (klassiert).

Am Jahresende 1913 beschäftigte Vondern 2 242 Mitarbeiter und wies eine Förderung von 474 000 t aus.

Im Ersten Weltkrieg sank die Belegschaftszahl zunächst auf 1 358 Mann (1916), sie erholte sich jedoch bis zum Kriegsende durch den Einsatz von Kriegsgefangenen wieder auf 1 750. Die Förderung stieg dagegen wegen der vielen Überschichten bis 1917 auf 685 000 t und fiel erst im letzten Kriegsjahr als Folge der schlechter werdenden Lebensmittelversorgung auf 499 000 t ab.

Auch während des Krieges gelang es der Werksleitung, den Ausbau der Zeche in bescheidenem Rahmen weiterzuführen. So gab es beispielsweise seit Mai 1915 keine Pferde mehr in der Grube, weil Druckluft-Lokomotiven endgültig deren Arbeit übernommen hatten, ein Jahr später stellte die Kokerei in einer neuen Anlage Benzol her.

Nach dem Waffenstillstand hatte die Zeche Vondern mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen wie ihre Nachbarn. Auch hier zeichnete sich erst 1920 ein Silberstreif am Horizont ab, als die Anlage nach einem absoluten Tief im Vorjahr mit 1 800 Leuten wieder 358 000 t Kohle zutage bringen konnte. Die Kohlen wurden mit Abbauhämmern hereingewonnen und über Schüttelrutschen und Gummigurtförderer zu den Lade­stellen transportiert. Bei harter Kohle unterstützten Schrämmaschinen die Gewinnungsarbeit mit dem Abbauhammer.

Der mit Druckluft betriebene Abbauhammer erleichterte nach dem Ersten Weltkrieg die Kohlengewinnung im Vergleich zur Lösearbeit mit der Hacke wesentlich. Außerdem sorgte die zur gleichen Zeit entwickelte Schüttelrutsche für den (fast) reibungslosen Transport der gelösten Kohlen aus dem Streb.
Die Schüttelrutsche förderte auch das benötigte Ausbaumaterial ? Holzstempel und Kappen ? in den Streb: der Hauer brauchte sein Holz nicht mehr zu seiner Arbeitsstelle zu tragen.
Eine Kettenschrämmaschine benötigte als Antriebsenergie ebenfalls Druckluft. Die Maschine wurde auf Kufen durch eine Seilwinde am Kohlenstoß entlanggezogen. Dabei schnitt der Ausleger wie eine Kettensäge einen 1,25 m tiefen Schlitz (den Schram) in die Kohle, lockerte sie auf und erleichterte so den Kohlenhauern auf der folgenden Schicht die Arbeit.
Ein durch heruntergefallenes Kohlenklein laufender Fördergurt stellte eine große Brandgefahr dar. Deshalb mußten die Gummigurtförderer in der Kohlenabfuhrstrecke ständig gereinigt werden.
Der Bergmann lädt die bei der Herstellung eines neuen Abbaubetriebes (Aufhauen) anfallende Kohle direkt in den Förderwagen. Später wird auch in dieser Strecke ein Gummigurtförderer laufen.
Die Bergleute im Streb haben ihre Dubbelpause verdient. Sie sind im Versatz beschäftigt, d.h. sie füllen den ausgekohlten Strebraum mit Steinen (Bergen) aus.
Die Arbeiter sortieren auf dem Leseband Fremdkörper und große Steine aus der Rohförderung, bevor diese in der Aufbereitung weiterverarbeitet wird.
In der Lampenstube werden die Grubenlampen der Bergleute nach der Schicht gewartet, geladen und für den nächsten Tag bereitgestellt.
In der Kaue ziehen sich die Bergleute um und reinigen den Körper unter Dusche vom Kohlenstaub. Die Kleidung wird platzsparend unter Decke aufbewahrt.

In den Jahren 1930 und 1931 verschlechterte sich der Kohlenabsatz von Monat zu Monat. Die GHH versuchte zunächst noch, die Förderung mit Feierschichten einigermaßen dem Absatz anzupassen. Es zeichnete sich aber immer deutlicher ab, daß sich das Problem auf Dauer nur mit erheblichen Betriebseinschränkungen lösen ließ. Das Unternehmen legte aus diesem Grunde 1931 die Zechen Hugo und Oberhausen still. Als das noch nicht ausreichte, fiel die Entscheidung, aus den Zechen Vondern und Jacobi ein Verbundbergwerk zu bilden und auf Vondern die Förderung einzustellen.

Am 15. Januar 1932 kam auf der Zeche Vondern der letzte Kohlenwagen zutage. Die Kohlen aus dem Feld Vondern wurden von nun an auf Jacobi gefördert.

Die Gesamtbelegschaft schrumpfte von 3 140 Mann auf 1 700 Mann. Mehr als 1 400 Bergleute verloren ihre Arbeit und vergrößerten das Heer der Erwerbslosen.

Der Tagesbetrieb und die Kokerei wurden stillgelegt, die nicht mehr benötigten Gebäude später abgerissen. Bis zum 30.09.1932 fuhren auf Vondern noch Leute an. Dann stellte die Betriebsleitung hier die Seilfahrt ein. Die Schächte blieben zur Wetterführung offen.

Bis 1956 veränderte sich am Erscheinungsbild der Zeche nichts Wesentliches. Dann verschwand mit dem Bau eines neuen Grubenlüfters das Schachtgerüst über Vondern 1, weil der Schacht neben der Wetterführung keine weiteren Aufgaben erfüllen mußte.

Obgleich auf der Zeche Vondern nur noch der Grubenlüfter und eine elektrische Fördermaschine am Schacht 2 in Betrieb waren, blieben viele Gebäude bis in 1950er Jahre erhalten.
1956 wurde am Schacht Vondern 1 ein neuer Grubenlüfter installiert. Ein luftdichtes Gebäude nahm die Stelle des Schachtgerüstes ein.
Das Pförtnerhaus an der Arminstraße um 1960.

Am 1. Januar 1965 hob die Hüttenwerke Oberhausen AG, Abteilung Bergbau, das Verbundbergwerk Jacobi/Franz Haniel aus der Taufe. Die Änderung des Bewetterungskonzeptes machte den Lüfter auf Vondern überflüssig. Die Schächte Vondern 1 (Teufe 508 m) und Vondern 2 (Teufe 663 m) wurden zwischen dem 13. Juli 1965 und dem 31. August 1965 mit 35 000 t Waschbergen und 650 t Kies verfüllt, und die Gebäude anschließend restlos abgerissen.

Seit dem 1. August 1974 verläuft die Autobahn A 42 (Emscherschnellweg) über den ehemaligen Zechenplatz


Zahlentafel Zeche Vondern

Rasenhängebank liegt 38,6 m über NN

Zahlentafel der Zeche Vondern
1898

beginnen die Schachthauer in der Nähe der Wasserburg Vondern mit dem Teufen des Schachtes Vondern 1. Die GHH plant ihn zunächst als Wetterschacht für die Zeche Oberhausen

1900

erreicht der Schacht Vondern 1 in 166 m Teufe das Steinkohlengebirge. In 220 m Teufe wird die 1. Sohle und in 310 m Teufe die 2. Sohle ausgesetzt. Bei den Teufarbeiten treten keine nennenswerten Problem auf.

1901
Der Schacht Vondern 1 erreicht in 411 m Teufe das Niveau der 3. Sohle.
1902

kommt Schacht 1, bis zur 4. (500 m) Sohle tiefergeteuft, als Frischwetterschacht der Zeche Oberhausen in Betrieb.

1903

beschließt die GHH wegen der unerwartet großen Kohlenvorräte, die Außenanlage Vondern zu einer selbständigen Doppelschachtanlage auszubauen. Deshalb beginnen die Schachthauer noch in diesem Jahr, den Schacht Vondern 2 als zukünftigen Förderschacht zu teufen.Im Schacht Vondern 1 beginnt die Kohlenförderung.

1904
erreicht der Schacht Vondern 2 die 3. (411 m) Sohle.
1905

1905 geht der Schacht Vondern 2 als Förderschacht in Betrieb. Schacht 1 wird ausziehender Wetterschacht.Die Zeche Oberhausen übernimmt die Wasserhaltung.

1906

Die 3. Sohle (-373 m) wird ebenfalls mit der Zeche Oberhausen auf der 5. Sohle (-384 m) durchschlägig. Im Dezember gehen am Schacht Oberhausen 2 auf der 7. Sohle zwei neue elektrisch angetriebene Kreiselpumpen mit je 3 m³/min Leistung in Betrieb. Eine Kokerei mit 60 Öfen und Nebengewinnungsanlagen für Ammoniksalz und Teer nimmt den Betrieb auf.

1907

Das Kraftwerk geht an das Ringnetz mit zwei Drehstromgeneratoren 3000 V, 1 MW, die von doppeltwirkenden Viertakt - Koksofengasmotoren mit 94 min-1 angetrieben werden.

Die Zeche Vondern bekommt eine Kokerei.

1909

Auf der Kokerei kommen 60 weitere Öfen hinzu. Die Anlage kann nun 600 t Koks produzieren. Grubenbrand auf der 2. Sohle. Bemerkenswert war der schon 1909 auf der Zeche Vondern unternommene Versuch, einen Grubenbrand durch Inertisierung mit Stickstoff zu bekämpfen. Das Vorhaben mißlang zur damaligen Zeit wegen der Ausdehnung das Brandfeldes, infolge der Undichtigkeiten der Branddämme und weil eine zu geringe Menge des Gases zur Verfügung stand.(Hegermann, 1995)

1910

Auf der 2. Sohle und auf der 3. Sohle beginnen die Ausrichtungsarbeiten für das geplante Bergwerk Jacobi. Der Schacht Vondern 2 wird bis zur 4. Sohle (-461) geteuft. Belegschaft: 2 267 Mann Förderung: 570 482 t Leistung u. T. und ü. T.: 0,988 t/MS

1912

Die 2. Sohle (-272 m) Vondern wird mit der Zeche Jacobi auf der dortigen 1. Sohle (-262 m) durchschlägig. An die Stelle der bisherigen Pferdeförderung ist in der 411 - und 500 - m Sohle ist eine solche mittels Druckluftlokomotiven getreten. Es sind vorläufig 5 Druckluftlokomotiven in Betrieb, die von einer Hochdruckkompressoranlage über Tage gespeist werden. Die Erweiterungsarbeiten an der Kohlenwäsche und der Separation wurden im November 1911 beendet. (Geschäftsbericht 1911/12 der GHH)

1913

Die 3. Sohle (-373) Vondern wird auf der 2. Sohle (-365 m) Jacobi durchschlägig. Belegschaft: 2 242 Mann Förderung: 474 000 t Der Ersatz der Pferde in der Grube durch Druckluftlokomotiven hat weitere Fortschritte gemacht. Die in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres fertiggestellte Gasreinigungs- und Ferndruckanlage zur Beheizung von Martinöfen usw. auf Walzwerk Neu - Oberhausen mit Koksofengas arbeitet befriedigend. (Geschäftsbericht 1912/13 der GHH) In diesem Jahr erreicht die Zeche mit 685 075 t/a ihre Maximalförderung.

1914
Die Druckluftlomotivförderung wurde auf der ganzen Grube durchgeführt. Im Maschinenhause gelangte ein Abdampfturbokompressor vom 15 000 m³ Stundenleistung zur Aufstellung. Die Dampfkesselanlage erfuhr durch Errichtung eines Kesselhauses mit Kamin, eines Dampfspeichers sowie Kühlturmes eine umfangreiche Erweiterung. Im Kesselhaus wurden sieben neue Dampfkessel aufgestellt.Geschäftsbericht 1913/14 der GHH)
1915

Seit Mai gibt es in der Grube keine Pferde mehr. In der Förderung sind Druckluft - Lokomotiven im Einsatz. Belegschaft: 1 955 Mann Förderung: 431 000 t Leistung u. T. und ü. T.: 1,019 t/MS

1916
Im März nimmt die Benzolfabrik den Betrieb auf.
1920

Belegschaft: 1802 Mann Förderung: 358 479 t Koks: 115 000 t Leistung u. T. und ü. T.: ? t/MS

1923
November
Seit Anfang November sind fast alle männlichen Personen des hiesigen Bezirks ohne Arbeit. Die Gutehoffnungshütte und die Zeche Vondern haben den Betrieb eingestellt. In den Familien herrscht große Not. Die Erwerbslosenunterstützung reicht nicht für den Einkauf von Brot und Kartoffeln. [Chronik Rothebuschschule]
1924
Januar
Im Monat Januar wurde der Betrieb auf den Eisenwerken der Gutehoffnungshütte und der Zeche Vondern wieder aufgenommen. Die Väter unserer Schulkinder fanden im Laufe der Monate Januar und Februar Arbeit. Nur die jüngeren Arbeiter waren zum Teil bis in den Monat April ohne Beschäftigung.« [Chronik Ripshorsterschule]
1932
01. Oktober

Die Zeche Vondern, auf der im Jahr 1898 die Abteufarbeiten begannen, wird stillgelegt. Ursprünglich war die Anlage als Wetterführung für die Zeche Oberhausen konzipiert worden. Ergiebige Aufschlüsse im Nordfeld hatten die Verwaltung jedoch dazu veranlaßt, eine komplette Zeche mit zwei Schächten zu errichten. Bis zum Jahr 1914 wurden hier rd. 663.000 Tonnen Kohle gefördert; die Zahl der Belegschaft lag zuletzt bei ca. 2.000. Das Grubenfeld wird der Zeche Jacobi zugeschlagen. Die Tagesanlagen fallen zum größten Teil der Spitzhacke zum Opfer. Der Grubenlüfter bleibt bis 1964 in Betrieb.

1944
11. Dezember
Vormittags: Bei Luft-Grossangriff auf Verschiebe-Bahnhof Osterfeld Schäden auf Zeche Vondern. Dortiges Ausländerlager zerstört; andere beschädigt. Starke Schäden im Stadtteil Osterfeld.« Der Zentralnachweis des Sozial- und Ausgleichsamts berichtet, dass insgesamt 75 Personen verstarben, darunter »3 Polen, 3 Ausländer, 1 Litauer, 2 Holländer, 1 Ostarbeiter, 7 Italiener.« (Napp-Zinn)
1965
09. April

Der Abbruch der 1932 stillgelegten Zeche Vondern hat begonnen. Die beiden Schächte werden im Sommer mit insgesamt 23.000 Tonnen Waschberge aus den Kohlenwäschen der Zechen Jacobi und Osterfeld zugekippt, die beiden Schachtöffnungen mit einem Betondeckel versiegelt und die Übertageanlagen komplett abgebrochen. Platz für die A42 - Emscherschnellweg.


Förderleistung

Jahr
Kohle in t
Koks in t
Belegschaft
1903
57 000
182
1905
275 000
1 306
1910
570 000
?
2 267
1915
431 000
148 000
1 955
1917
685 000
165 000
1 661
1920
358 000
115 000
1 802
1925
548 000
225 000
2 209
1930
476 000
127 000
1 549
1932
15 000
453

(Zahlen nach: Günter Hegermann, Steinkohlenbergbau in

Oberhausen 1847 - 1992)


1925
1929
GHH Konsom 1980
gestempelt 1914
1914
Schacht 1 und 2


Anscheinend alles was von der Zeche Vondern noch übrig ist

25.04.2003
25.04.2003


Falsch !!!

Nachdem ich mehrere Tipps bekommen habe, bin ich am 24. 12. 2003 mit meinem Sohn nochmals zur Brache Vondern gefahren und habe tatsächlich noch diese stummen Zeugen der damaligen Zeit gefunden.

  
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